16 Februar 2001

Diskrepansen

Oder: The Shit Goes Pear-shaped

Das lustige an mir ist ja, neben den Leberflecken und der Körperform, meine Fähigkeit in allem, was ich so anfange, relativ schnell relativ gut zu werden, es dann aber niemals in irgendwas zur Meisterschaft oder zumindest zu anzuerkennenden Leistungen zu bringen.
Letztes aktuelles Beispiel dafür: der Gitarrenunterricht. Manfred, mein Lehrer, war begeistert, wie schnell ich die Grundlagen, die Akkorde, das Picking etc. drauf hatte. Knapp anderthalb Jahre später passiert aber quasi kein Fortschritt mehr. Ich beisse mir an einfachen Melodien und Pickings, die sich nicht jeden Takt wiederholen, die Zähne aus, spüre aber auch den Antrieb nicht, mich da jetzt reinknien zu müssen.
Rückblickend in mein Leben wiederholt sich diese Geschichte immer und immer wieder: Schule, Uni, Beruf, Hobbies, kreative Beschäftigungen, ... von Beziehungen ganz zu schweigen.

Vor ungefähr sechs Jahren kannte ich einen schwulen Londoner, der meinte, dass der Grund für dieses Phänomen Angst sei. Versagensangst, um genauer zu sein. Angst davor, Erwartungen zu schüren, die man dann nicht erfüllen kann. Angst vor Blamage.

Mag gut sein. Mag sogar sein, dass es dabei gar nicht unbedingt um die Erwartungshaltungen anderer sondern vor allen Dingen um die eigenen geht. Schließlich erlebt man doch ständig Dikrepanzen zwischen der eigenen Vorstellung und gewissermaßen dem "Produkt", dass man dann tatsächlich in den Händen hält. Ich gehe soweit zu sagen: Das Leben ist ein kontinuierliches Erleben von Diskrepanzen.
Ich sehe da aber noch eine andere Ursache: Ungeduld.
Ungeduld, diese meine schlechteste Eigenschaft; neben den Leberflecken und der Birnenform.

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