23 August 2006

Ethikunterricht I

Seit Montag haben die Schüler in Berlin ein neues Pflichtfach namens "Ethik", der Religionsunterricht ist dafür freiwillig geworden.

Hier aus aktuellem Anlass ein Beitrag dazu:


Als ich mich heute morgen vom Bäcker, wo ich ein belegtes Brötchen erwarb, per Fahrrad zur Uni begab, stand auf der Yorckstraße ein Transporter quer über den Radweg und darüber hinaus in der Feuerwehrzufahrt zur dort nicht für den normalen Verkehr erreichbaren Hornstraße. Es war dies nicht das erste Hinderniss, dem ich davor auf der kurzen Strecke zum und vom Bäcker hatte ausweichen müssen: Zwei weitere Transporter und ungezählte Fußgänger hatte ich schon umfahren müsen. (Ähem, umfahren und nicht umfahren, wohlgemerkt!)

Bei diesem dritten Transporter einer Lichtinstallationsfirma, den man nur durch Absteigen und Schieben umgehen konnte, hatte ich also schon eine gewisse Säure erreicht. Aus dem Augenwinkel ward ich des Fahrers der Karosse, auf einer Leiter beim Lichtinstallieren am Yorckschlösschen, gewahr. (Das andere Auge erfasste mit Kennerblick eine riesige Parklücke kurz neben dem Deliquentenfahrzeug.)

Ganz entgegen meiner Art entschloss ich mich, den Lichtinstallateur auf den Missstand anzusprechen. Er entschuldigte sich, sagte, die Parklücke sei vorher nicht da gewesen, er wäre aber auch gleich fertig, den Wagen parkte er dann um und sowieso.

Ich zog ab mit der Gewissheit, dass der Bösewicht seinen Wagen nicht umparken würde - soviel verriet mir meine Menschenkenntniss - und mit dem bekannten flauen Gefühl im Magen, das ich nach solchen unangenehmen Situationen immer bekomme, und bilanzierte:
  • Hätte ich nichts gesagt, wäre der Wagen stehen geblieben, der Installateur wäre sich keines Unrechts bewusst gewesen, und ich hätte mich noch eine Weile geärgert und schlecht gefühlt.
  • Habe ich etwas gesat, bleibt der Wagen auch stehen, der Installateur findet für sich eine Ausrede, warum er dennoch da zu parken hatte - trotz des Unrechts -, und ich habe ein schlechtes Gefühl im Magen.
Nächstes Mal sage ich also wieder nichts, oder?

1 Kommentar:

scotspotter hat gesagt…

Nächstes mal klatsch'et und zwar richtig. Zweitereiheparker...die sind der Feind und gehören im Knast direkt neben den Flügel mit den Mittelspurfahrern. Dann müssen die gegeneinander kämpfen, bis nur noch Apfelmus übber is.
Genau.