29 April 2008

Wörter für Gesichtsausdrücke

Immer wieder stößt man an die Grenzen unserer angeblich so reichen Sprache. Mir fehlen meistens die Adjektive. Mehrmals täglich bin ich derzeit mir einer Situation konfrontiert, für die ich einfach keine passende Beschreibung finde:

Bei Molitor arbeite ich zur Zeit fast ausschließlich in der Werkstatt, die vom Großraumbüro nur durch eine Fensterwand abgetrennt ist. (Ungestört popeln kann man da also auch nicht.) Anscheinend sind es die lieben Kollegen gewohnt sich in diesen Raum zu begeben, wenn sie ungestört - meist privat - telefonieren wollen. Im Büro hört immer jemand mit und es ist oft irgendwie Lärm (z.B. so ein Hund, der wieder ein Stück Holz zum Spielen gefunden hat.)
Jetzt ist die Werkstatt aber nicht mehr, wie früher so oft, leer, sondern ich sitze da und schraube mir Blasen an die Hände. Wenn die Kollegen also, durch's Telefonieren abwesend, die Ruhe suchend, den Raum betreten, werden sie meiner erst relativ spät gewahr und machen dann alle den gleichen Gesichtsausdruck:

Nicht erschreckt, irritiert oder konsterniert; nicht freundlich oder ablehnend; nicht gezwungen; nicht gelöst; nicht gestört oder empört.
Eher verstört ob der Störung und aus dem Konzept gebracht. Eher ertappt und dann vortäuschend etwas bestimmtes in der Werkstatt zu wollen, aber doch umkehren zu müssen; aber das trifft es nicht exakt.

Kurz: Es gibt kein passendes Wort, das diesen Gesichtsausdruck beschreiben könnte.

Also erfinde ich einfach eins: Stranig.

"Sieglinde betrat mit ihrer Mutter telefonierend den Raum, sah Roland, machte ein straniges Gesicht und kehrte wieder um."

Wo wir gerade dabei sind: Das andere berühmte fehlende Wort der Deutschen Sprache, das Analogon zu "satt" aber bei Durst, das kürzlich dem Sprachschatz als "sitt" hinzugefügt wurde, gefällt mir überhaupt nicht! Ich bin für "geschorscht".

1 Kommentar:

Gordon hat gesagt…

wie wärs mit storzend? oder bestorzt?