17 Juli 2011

1PPTW #7: One-Third-Life-Crisis

Ich glaube, es war ungefähr um die Jahrtausendwende, als ein neuer Begriff aufkam, von dem man, wie so oft bei neuen Begriffen, zuerst in der Zeitung las, wobei natürlich beihauptet wurde, dass er schon zum Alltags-Sprech in eingeweihten Kreisen gehörte. 
Quarter-Life-Crisis. Eine schöne Ergänzung zur Mid-Life-Crisis, den Zustand beschreibend, dass viele junge Leute sich mitten im Studium oder in der Ausbildung fragten, ob das eigentlich das ist, was sie wollten. (Das Phänomen gab es sicherlich schon länger; vermutlich solange es Berufsausbildungen gibt, aber das Wort war neu, englisch und darum schick.)

An mir ist das Phänomen damals vorbei gegangen. Oder zumindest erinnere ich mich an keine Krisen in jenen Tagen. Dafür holt es mich jetzt ein. Da ich aber schon zu alt für eine Quarter-Life-Crisis bin, zu jung jedoch für eine Mid-Life-Crisis, erfinde ich in guter Journalistentradition die One-Third-Life-Crisis. In eingeweihten Kreisen natürlich schon in aller Munde.

Ich erzähle Euch mal von Schwabach. Ich weiss nicht, wo das liegt, aber das Stadtmuseum da bekommt eine neue Dauerausstellung. Ich weiss nicht, worum es in der Ausstellung gehen soll, aber teilweise geht es wohl um Goldverarbeitung. Das vermute ich zumindest, weil die zwei Exponate, die ich dafür konstruieren soll, irgendwas mit Gold zu tun haben.

Beide Exponate sind "Schieber". Das eine ein Zeitstrahl, den man abfahren kann, und der dann auf einem Stadtplan Positionen beleuchtet und dazu passende Filmchen abspielt. Das andere wird "Scanner" genannt, was nicht stimmt, weil man da nur eine Lupe von A nach B verschiebt, um dich Objekte anzugucken. Passend zu den Objekten werden Filme abgespielt.

Klingt langweilig? Ist es auch.

Und da sind wir auch schon im Kern der Krise: Es klingt sicherlich angeberisch, aber ich verschwende mein Talent an langweiligem Mist, der mir keinen Spaß macht. Ich baue mechanisch-interaktive Exponate, deren einziger Mehrwert ist, dass die Besucher schieben können, statt Knöpfe zu drücken. (Knöpfe sind ja sooo 90er!) Dafür gehen sie auch schneller kaputt.

Und jetzt kommt die Frage, die ich mir stellen musste - die auch mein Chef mir gestellt hat -, als ich feststellte, dass ich auf so einen Scheiss keine Lust mehr habe. Was will ich denn dann machen? "Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?" Klassische Bewerbungs-gespräch-Frage. Unmöglich zu beantworten für jemanden, der schon als Kleinkind auf die Frage nach seinem Berufswunsch mit "Allesfahrer" antwortete.

3 Kommentare:

fiel.kuhla hat gesagt…

Jo! Der Post fing so gut an und vielleicht liegt darin auch Deine Antwort zur selbstgestellten Frage. Neue Wort-Kreation geschaffen in welcher "Handwerks-Tradition"?

Inhaltlich: Gold = glänzt! Super Sache, wie kann das langweilig sein? Aber ja, von den langweiligen Schiebern hast Du schon erzählt, da reißt vermutlich auch kein Gold was raus... Deshalb beantworte Dir die Frage oben und frage Dich, ob das die Antwort auf die 1/3 Krise ist.
Übrigens hatte ich die Erkenntnis (aber leider nicht das passende Wort dafür) bereits in Neuseeland. Da sieht man mal wieder, wieviel ein paar mehr Monate Altersunterschied unterscheiden können.
Tröstlich zu wissen: Mit viierzig werden wir auch wieder nicht wissen, was wir wollen. Aber zumindest das weiß ich schon jetzt. Und lies mal den Link im Google+ Stream!

animaldelmar hat gesagt…

Jo, die Frage mit den 5 Jahren im Bewerbungsgespräch ist eine Falle. Niemand auf der Welt weiß heutzutage noch, was er in 5 Jahren will, sein wird oder macht. Schau Dir das Debakel doch an: bei Murdoch-Krisen, Japanverseuchung, Norovirus und EHEC und allgemeiner Kindsverdummung: da BRAUCHT man doch gar nicht wissen, was in 5 Jahre ist. Das wäre eher kontraproduktiv.

Wenn man nicht weiß, was einem Spaß macht, sollte man sich fragen, in welchem Bereich man am meisten aufgeht. Sich am wenigsten Gedanken macht. Das kann Bildermalen oder Sandkuchen backen. Oder Filme schneiden oder Fenster putzen. Eine Beschäftigung, bei der das Gehirn einfach mal Schnautze hält, Junge. Und dann macht man diese Beschäftigung so oft, wie es geht. Und freut sich auf die, wenn man sie mal nicht machen kann, weil man arbeiten gehen muss. Das wäre ein kleiner Anfang.

fiel.kuhla hat gesagt…

@animal, das ist ja fast n eigenen post wert!